Mein Nepal

Im November 1979 betrat ich erstmalig nepalesischen Boden. Mit meinem Freund Hermann wollte ich an einer Trekkingtour im Everestgebiet teilnehmen.
Bei einem ersten kurzen Abendspazierung durch die dunklen Gassen der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu kamen mir jedoch Zweifel, ob ich mich richtig entschieden hatte, an dieser Tour teilzunehmen.
Butterlampen überall, denn elektrisches Licht gab es nur im Königspalast und in einigen wenigen Straßen. Es roch süßlich nach Haschisch; die Sprache kannte ich nicht. Nur ein einziges Wort aus einer Reiselektüre ist in mir hängen geblieben: "Namaste". Begrüßung, Dankeschön und Abschiedsgruß gleichermaßen.
Nach dem Tiefschlaf im Hotel Shankar sah die Sache schon ganz anders aus. Zwei Tage Sightseeing in verschiedenen Orten des weiten Kathmandutales hatten in mir ein zartes Gefühl der Zuneigung zu den Menschen und der einmaligen Baukunst ausgelöst.
Ein altes Flugzeug brachte uns nach Lukla, wo dann endlich das Trekking begann und nach zwei Wochen auch wieder endete.
Inzwischen bin ich zehnmal in Nepal gewesen, mehrfach in Höhen von knapp 6000 Meter.
Im Jahr 2014 besuchte ich zum vorletzten Mal mein Nepal. Ich schlenzte durch die vertrauten engen Straßen, fotografierte viel und traf mich mit Freunden, so als wäre ich zuhause.
Dann erfuhr ich mit Sorge und Trauer von dem starken Erdbeben im April 2015, welches das Land und Kathmandu heimgesucht hatte. Als müßte ich meinen Freunden helfen, bin ich im November 2015 noch einmal nach Nepal geflogen. Nie vorher habe ich derartige Verwüstungen gesehen. Viele kostbare Gebäude und Tempel waren stark beschädigt oder nicht mehr vorhanden. Aber ich habe auch das ansteckende Lachen der freundlichen Menschen gesehen. Sie haben es trotz ihres schlimmen Loses nicht verlernt.
In einem Reiseführer über Nepal habe ich den Satz gelesen:
"Wenn Du Dein Lachen verloren hast, dann reise nach Nepal. Dort findest Du es wieder."

Horst Vollbrecht

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